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Bertelsmann-Studie: Stimmungsmache statt Wissenschaft

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Berlin, 16. September 2014 - Als einen „halbwissenschaftlichen Schnellschuss mit folglich falschen Schlussfolgerungen“ bezeichnet der Bundesvorsitzende des Verbandes der niedergelassenen Ärzte Deutschlands, Dr. Dirk Heinrich, die Studie von Bertelsmann-Stiftung und OECD zur unterschiedlichen Verteilungshäufigkeit von Operationen in Deutschland.

Operationen in Deutschland - Studie missachtet regionale Faktoren (© picsfive - Fotolia.com)

„Anstatt die vermeintlichen Ergebnisse zunächst gemeinsam mit den Fachgesellschaften zu analysieren und diskutieren, prescht die Bertelsmann-Stiftung gleich mit der Interpretation vor, dass es sich um ein Problem von Qualität, Effizienz und Gerechtigkeit handeln würde“, kommentiert Dr. Heinrich. Stattdessen würden Zusammenfassungen ohne genaue Datenlage veröffentlicht, die offenkundig regionale Morbidität und medizinische Versorgung vor Ort völlig außer Acht lassen.

„Manchmal liegt es eben nicht an Qualität und Effizienz, dass weniger operiert wird, sondern ganz einfach an einer Unterversorgung vor Ort. Auch der Einfluss von regionalen sozio-ökonomischen Faktoren, die nachweislich Auswirkungen auf die Morbidität haben, wird dabei ausgeblendet. Das ist nach meinem Verständnis nicht wissenschaftlich“, erklärt der Bundesvorsitzende des NAV-Virchow-Bundes. „Wissenschaftlich hingegen wäre gewesen, die Ergebnisse mit den Fachgesellschaften zu diskutieren und dann gemeinsam Schlüsse zu ziehen. Aber damit lassen sich eben keine Stimmungsmache und tendenziöse Ergebnisse erzielen“, stellt Dr. Heinrich fest.

Die Bertelsmann-Konsequenz, dass medizinische Leitlinien fehlen würden und Ärzte sich sklavisch an diese halten müssten, zeuge, so der Bundesvorsitzende, von der Realitätsferne der wirtschaftsliberalen Denkfabrik: „Leitlinien werden in Deutschland von medizinischen Fachgesellschaften erstellt und von deren Mitgliedern finanziert. Sie bilden eine Grundlage für Diagnostik und Behandlung, bei der immer auch die Individualität des Patienten und die ärztliche Kunst Raum finden müssen. Alles andere wäre keine ärztliche Handlungsweise mehr. Eine rigorose Leitlinien-Medizin im Checklisten-Modus kostet im Übrigen in jedem einzelnen Behandlungsfall ein Vielfaches an Zeit und Geld. Das ist angesichts eines budgetierten Systems nicht nur illusorisch, es geht auch völlig am Patienten vorbei“, so Dr. Heinrich.

Die Bertelsmann-Stiftung zählt mit einem Stiftungskapital von knapp 900 Millionen Euro (Buchwert 2013, Bundesverband deutscher Stiftungen) zu den größten Stiftungen Deutschlands (351 Mitarbeiter, 2013). Sie will – nach Eigenauskunft – zur Lösung aktueller gesellschaftlicher Probleme alle Lebensbereiche nach den „Grundsätzen des Unternehmertums und der Leistungsgerechtigkeit“ und dem Leitbild „so wenig Staat wie möglich“ umgestalten. Sie gilt als wirtschaftsliberale Denkfabrik, die die „Prinzipien unternehmerischen Handelns“ fördern will.

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